Eintrag 8 – Sterntag 18. Desnus 4724 AR

Mir bleibt nicht viel Zeit, um zu schreiben, aber die wenige die ich habe möchte ich nutzen um meine Gedanken zu sortieren.
In den frühen Morgenstunden brachen wir auf, voll Neugierde was uns erwarten würde.

Wir fanden schnell den richtigen Aufstieg am Wünscherquell. Boingart warf eine Münze hinein, um sein Glück gnädig zu stimmen. Unsere Stimmung war gut und wir erreichten zügig den Rand der Grube, der nicht schwer zu finden war.

Der Anblick dieser riesigen Öffnung im Boden war überwältigend. Bei näherer Betrachtung sahen wir Absätze im Fels, die nach unten führten und mit schäbig aussehenden Strickleitern verbunden waren. Bereits auf dem ersten Absatz waren Spuren zu sehen, die Goblins hinterlassen haben mussten, als würden sie uns den Weg weisen.

Vorsichtig testeten wir ob die Leitern halten und kletterten auf den ersten Absatz. Eine niedrige Öffnung in der Wand führte uns in eine mit Tier und Menschenschädeln dekorierte Kammer.
In vier Nischen befanden sich menschengroße Spinnenstatuen, als wären die Schädel nicht abschreckend genug.
Doch das Prunkstück des Raumes befand sich in der Mitte. Ein groteskes Präparat dessen Ursprung wohl einst ein Pferd war, ausgestattet mit Flügeln aus Segeltuch, einem Eidechsenschwanz und etwas glitzerndem in den Augen.
Wenn man bedenkt, das Goblin Hände es geschaffen hatten, musste man beinahe ihren Kunstverstand würdigen.

Es dauerte eine Weile bis Sumack sich im Raum umgesehen und die Fallen vor den Spinnen ausgemacht hatte. Er wollte sich gerade die Pferdestatue näher ansehen, als diese begann sich zu bewegen, nach ihm schnappte und eine widerlich graue Rauchwolke ausstieß die allen die sie einatmeten, die Kraft raubte.

Kaum hatte der Rauch sich verzogen, betrat ein Goblin den Raum und Pfiff einen hohen Ton. Sumack wich zurück, spannte seinen Bogen und versenkte seinen Pfeil mit tödlicher Präzision.
Schnell formierten sich Boingart und Karelia an dem Durchgang, durch den der Goblin in den Raum getreten war und erwarteten dort die nächsten Gegner. Lange ließen diese nicht auf sich warten. Mehrere Goblins und zwei Goblinhunde versuchten unser Eindringen zu stoppen. Doch die günstige Position im Durchgang, machte Sumack, Karelia und Boingart zu einer uneinnehmbaren Festung. So scheiterte der Angriff der Goblins ohne größeren Schaden anzurichten.

Wir nahmen einen Moment, um zu Atem zu kommen. Sumack und Karelia sicherten die Edelsteinaugen der Pferdestatue. Derzeit habe ich die allergische Reaktion von Boingart auf die Hautschuppen der Goblinhunde mildern können. Danach setzten wir unsere Erkundungen direkt fort.

In den stinkenden Räumen aus denen die Goblins gekommen waren, gab es nichts Auffälliges zu entdecken.
Aber Geräusche hinter einer anderen Tür machten uns Aufmerksam.

Kampfbereit stürmten Boingart und Karelia den Raum, Sumack folgte, ich wartete im Durchgang wie Karelia es verlangt hatte. Ich habe dennoch durch die Tür beobachtet was geschah, denn wie soll ich im rechten Moment helfen, wenn ich nicht mitbekomme was geschieht?

Mehrere Goblins tanzten um ein Feuer. Hinter ihnen war ein verkohlter Thron, auf der die noch stärker verkohlten Überreste eines Goblins saßen. Einer der Goblins quasselte etwas von Ribnugget. Es war offensichtlich das diese Goblins Angst vor ihm hatten. Karelia sagte etwas, nur kurz und ohne das viel Zeit verstrich, um zu warten ob der Goblin mehr zu sagen hatte, fuhr ihr Schwert herab und traf ihn.

Dann brach der Kampf an allen Seiten des Raumes los. Die bewaffneten Goblins kämpften wie besessen. Ein magiekundiger blendete Boingart, ein Barde sang in den schrecklichsten Tönen, die meine Gefährten die Sinne verdrehten und sie durcheinander brachten.

In all dem Chaos traf einer von Sumacks Pfeilen Karelia im Rücken und Boingart verletzte sich selbst bei einem Hieb, den er nicht mehr abfangen konnte. Meine Gefährten steckten immer wieder gefährliche Treffer ein, so dass ich schon bald in den Raum eilte und sie zu heilen.
Mit neuer Kraft fielen die restlichen Goblins schnell der Wut der Kämpfer zum Opfer.

Das Blut der Goblins tropfte noch von den Waffen meiner Gefährten, als eine echsenartige große Bestie behände durch einen Spalt in der hinteren Höhlenwand kletterte, Karelia schnappte und durch die Luft schleuderte.
Erneut waren alle in einen Kampf verwickelt, das Tier schlug mit dem Schwanz, verteilte Hiebe mit seinen scharfen Klauen und nicht zuletzt biss es kräftig zu. Während meine Gefährten es besiegten, wuchs mein Mitleid für dieses Geschöpf, denn es sah mager und krank aus.

Als es tot war, bestätigte Karelia meinen Verdacht. Das Tier war ein Hodack und nicht in guter Verfassung. Offenbar hatten die Goblins es eingesperrt und als eine Art Haustier gehalten. Vielleicht hätte man es retten können, es füttern oder sogar zähmen. Doch jetzt war es tot. So wie alle in diesem Raum, die möglicherweise gewusst hätten wo Ribnugget zu finden ist.

Mein Magen krampfte sich zusammen. Ich war nicht mehr sicher, ob diese Kämpfe wirklich nötig gewesen war oder mit etwas diplomatischem Geschick vermeidbar gewesen wären. Sicher würden die Anderen sagen das meine wenige Erfahrung und mein Unwille Blut zu vergießen, mein Urteil beeinflusst und ich ihnen das Kämpfen überlassen soll. Vermutlich hätten sie damit recht, dennoch wünsche ich mir, dass sie offener werden für Alternativen.

Während Karelia und Sumack sich in der Höhle des Hodack umsahen und einige wertvolle Gegenstände fanden, kümmerte ich mich um Boingarts Wunden. Der Zwerg hatte derart viele Treffer eingesteckt, dass manche Wunden sich gegenseitig überlagerten. Magie, Verbände und Salben sorgten dafür das er sich schnell wieder besser fühlte. Er bot mir sogar etwas von seinem neuen Taback an, ich war kurz in Versuchung, denn er roch herrlich, doch ich konnte mich nicht ganz dazu überwinden und lehnte im letzten Moment ab. Er schien nicht verärgert zu sein, eher amüsiert über meine Zurückhaltung.

Auf das, was nach diesem Erlebnis noch kommen sollte, war ich nicht vorbereitet. Wir gingen weiter die Gänge und Räume der Höhlen ab. Sumack machte weitere Goblins im Raum vor uns aus, wieder gebot Karelia mir zurückzubleiben um nicht in das Kampfgeschehen zu geraten.
Dann sah ich zu wie sie durch den Gang gingen, Sumack leise die Tür öffnete und hineinschlich. Ich hörte keine Kampfgeräusche, kein ziehen von Waffen, kein Pfeifen von Goblinzähnen oder kampflustiges Kreischen. Es war einfach still.
Bis ein markerschütternder Schmerzensschrei durch den Gang hallte.

Meine Freunde hatten die Goblins im Schlaf angegriffen. Wehrlos. Sich keiner Gefahr bewusst. Ohne eine Chance sich zu ergeben oder zu fliehen.
Meine Erleichterung war groß, als sie mich hineinriefen, zu sehen das zwei der sechs noch am Leben waren und sich offenbar ergeben hatten. Zumindest verschonten sie diese.

Doch die schlafenden Goblins waren nicht ganz allein. Eine Goblinfrau, eine Schamanin möglicherweise, kam aus dem Hinterzimmer und griff augenblicklich an. Verständlicherweise war sie voller Zorn und ließ ein Arsenal Zauber auf uns niederprasseln. Es gelang den Kämpfern die Kontrolle zurückzuerlangen und die wilde Goblinmatriarchin letztendlich zu besiegen.

Es war erneut eine kleine Verschnaufpause nötig.
Eine die mir erlaubt diese Zeilen zu schreiben, in denen ich versuche den Mut zu finden meine Freunde mit ihrer brutalen, rücksichtslosen Vorgehensweise zu konfrontieren.
Zwei überlebende Goblins sind nun unsere Gefangenen, verletzt und festgebunden. Auf diese Weise werden sie sicher nicht genug Vertrauen zu uns finden, um uns mit Ribnugget zu helfen. Bestenfalls hören wir von ihnen, wo er ist. Schlimmstenfalls schließen sie sich lieber ihm an, weil sie uns noch weniger trauen.
Wie dem auch sei, sie haben sich ergeben, damit liegt ihre Sicherheit in unserer Verantwortung. Also werde ich werde dafür sorgen das ihnen nichts geschieht, und wenn es sein muss, die anderen an diese Verantwortung erinnern.