Es bleibt nicht viel Zeit, um meine Gedanken zu sortieren. Nur eine kurze Pause können wir uns gönnen nach diesem furchtbaren Start in den Tag. Es ist nicht sicher hier, wir hatten weder Zeit noch Kraft alle Winkel um uns herum nach Gefahren abzusuchen. Diese kleine Waffenkammer muss ausreichen, zumindest für einen Moment.
Dabei fing alles so spannend an. Die leuchtenden Sihedronrunen in den unversehrten Wänden vergangener Zeit waren beeindruckend. Nahezu überwältigend war die subtile Magie die jeden Mörtel, jeden Stein, jede Fuge, einfach alles durchdrang.
Die Faszination, die unsere Mutter für die Tassilonische Zeit besitzt, erfasste mich augenblicklich. Doch ihre Geschichten über die Gefahren, die in den vergessenen Gemäuern lauern klangen stets in meinem Hinterkopf.
Ich war noch völlig in Gedanken als Karelia mich packte und mir, ohne mich zu fragen, diesen Haifischzahnanhänger ans Handgelenk band. Er soll mich schützen falls es jemandem gelingt mich festzuhalten. Sie könnte ihn sicher selbst brauchen, aber mit ihrem “ich habe versprochen dich zu beschützen” erstickte sie jede Diskussion im Keim, wie immer.
Die Worte der Vorsicht, mit denen ich aufgewachsen bin, scheinen nicht alle unserer Gruppe zu kennen. Nachdem wir den ersten Raum passierten, sind sie vorangestapft als handle es sich um eine einfache Höhle.
Zumindest hat Sumack noch bemerkt das etwas nicht stimmte, wenn auch etwas zu spät.
„Man weiß erst, wie heiß ein Feuer ist, wenn man sich verbrennt.“ Noch etwas das ich bereits als Kind lernen musste, dennoch hätte ich auf die Erinnerung daran gern verzichtet. Der Schaden war glücklicherweise nicht zu groß und ich konnte uns alle heilen.
Die zweite Falle konnte Sumack geschickt deaktivieren, so dass wir uns sicher glaubten, als wir uns weiter wagten.
Die nächste Tür zierte ein Runenrelief, das ein mit Fangzähnen und Hörnern ausgestattetes Gesicht bildete. Wir konnten uns keinen Reim auf seine Bedeutung machen.
Nachdem sicher war, dass es keine Falle auslösen würde, öffnete Boingart die Tür.
Wie leichtgläubig wir doch waren.
Noch nie habe ich etwas wie diese große Ziegenköpfige Kreatur gesehen, die uns hinter der Tür erwartete. Ein flammendes Schwert und Feuermagie machten sie extrem gefährlich.
Mutter hätte wohl darüber gelacht, aber keiner von uns ist feuerfest.
Es hat erbittert gekämpft und tiefe Wunden geschlagen, die Blasen warfen und Fleisch schmolzen. So gut ich es vermag heilte ich meine Gefährten, doch es ist mir ein Rätsel wie sie diese Schmerzen ertragen und noch weiterkämpfen konnten.
Als Boingart zu Boden ging dachte ich kurz wir hätten keine Chance mehr. Doch den Kampfgeist dieses sturen Zwerges hatte ich wohl unterschätzt, vom Boden aus brachte er die Ziege zu Fall und bereitete ihr ein Ende.
Es schien, als hätte die Kreatur einen Altar in diesem Raum bewacht, auf ihm befand sich eine Schale mit Granatperlen und einem Messer. Alles erschienen harmlos, aber wir konnten nicht genau heraus finden worum es sich handelte. Ich bin nicht sicher, ob es eine gute Idee war, die Dinge mitzunehmen.
Als nächstes betraten wir die kleine Waffenkammer, die nun unser Rückzugsort ist.
Wären wir doch gleich hiergeblieben.
Vielleicht hat uns der Rausch der Schatzsucher geblendet als wir hier ein magisches Schwert, Pfeile und Runen fanden. Jedenfalls gingen wir zuversichtlich weiter in den großen Raum im Süden.
Die rußgeschwärzten Wände verbreiteten eine unheilvolle Stimmung, die sich verstärkte, als wir erkannten, dass Knochen aus jedem der kleinen Aschehäufchen am Boden ragten. Doch uns blieb keine Zeit uns lange darüber zu sorgen.
Ich hörte noch, wie Sumak eine Warnung aussprach und uns aufforderte zu warten. Doch der unbedarfte Zwerg klopfte neugierig gegen den dunkel geschwärzten Fleck neben sich an der Wand, der daraufhin zerbröckelte.
Der hinter der uralten Geheimtür verborgene Raum, war leer bis auf die sieben großen rot schimmernden Sockel. Boingart trat ohne Vorsicht in den Raum, in dem sich augenblicklich zwei in Flammen gehüllte Skelette erhoben.
Seite an Seite hielten Karelia und Boingart die Skelette in Schach, die eine so sengende Hitze ausstrahlten das ihre Anwesenheit allein einen einfachen Mann in die Flucht geschlagen hätte.
Stoisch wie es nur ein Zwerg vermag, ignorierte Boingart die Wunden, die er erlitt und blockierte den Weg der Gegner wie ein Fels. Aus der zweiten Reihe konnte Sumack seine tödlichen Pfeile in die Gegner schicken. Karelia hüllte ihr Schwert in eine frostige Hülle und konnte es damit deutlich tiefer in die feurigen Gegner treiben.
Der Kampf dauerte lange und war erschöpfend. Noch während die Skelette kämpften hatte ich beinahe all meine Heilmagie verbraucht. Die Erleichterung war groß, unsere Gruppe noch stehen zu sehen als die Gegner besiegt waren. Doch keiner war mehr in guter Verfassung.
Mit einem kleinen Rest meiner Magie habe ich meine Schwester zuerst zusammengeflickt, auch wenn sie es nicht wollte, um nicht bevorzugt zu werden. Doch ich kenne sie zu gut, mir war klar, dass sie nicht Ruhen würde, wenn es nötig ist. Ich hatte mich kaum den anderen zugewandt, da patrouillierte sie bereits wie eine eingesperrte Raubkatze an der Tür, immer aufmerksam und angespannt.
Etwas von der Ruhe mit der Boingart gerade, trotz der unheilvollen Umgebung, seine Pfeife raucht würde ihr gut bekommen. Vielleicht färbt mit der Zeit etwas davon auf sie ab.
Nach einer Weile hatte ich auch die Wunden der anderen gut versorgt.
Wenn unsere Mission weiter geht wie diese ersten Stunden, wird meine Heilertasche allerdings bald leer sein.
“Nur ein Heiler wird die Verantwortung und Bürde eines Heilers verstehen.” Wie oft ich nun an diese Worte denke, allmählich beginne ich sie zu verstehen Vater.
Für den Moment sind alle wohl auf.
