Eintrag 3 – Wohltag, 8. Desnus 4724 AR

Wir machen eine letzte Pause bevor wir erneut hinunter in das Gewölbe steigen. Die Auszeit tat uns allen gut, den Kräften und der Motivation.

Gestern, nach dem wir kurz gerastet hatten, untersuchten wir den Raum mit den roten Säulen. Die tassilonischen Runen, die die Säulen bedeckten, waren selbst für Lia ein Rätsel, also fertigten wir eine Abschrift an und wagten uns in den nächsten Raum.

Nach dem Dämon und den Feuerskelette, dachten wir das wir die Gefahren in diesem Sektor ausgeschaltet hatten. Aber unsere Einschätzung traf nicht zu wie wir in dieser kleinen Kammer feststellen mussten. Die auf den ersten Blick harmlos erscheinende Statue eines humanoiden Stieres mit Fledermausflügeln erwachte plötzlich und griff uns an.

Glücklicherweise konnte es seine enorme Reichweite in der enge des Durchganges nicht vollständig ausnutzen. Es war robust und hat viele Treffer unbeschadet hingenommen, doch letztendlich fiel es unter den unerbittlichen Angriffen meiner drei Gefährten.

Die neuen Wunden waren nicht allzu tief, doch die beiden Kämpfer waren alles andere als frisch. Ohne meine Heilmagie zu regenerieren oder eine größere Anzahl Heiltränke, konnten wir nicht mehr viele Risiken eingehen.

Wir entschlossen uns dennoch vorsichtig einen Blick in den langen Gang zu werfen der sich in der Dunkelheit verlor. Um nicht selbst ins Dunkel gehen zu müssen, schickte Karelia ein blau-gelbes Licht hinein und folgte ihm vorsichtig. Erst nach etlichen Metern wurde das eingestürzte Ende sichtbar, das ein weiterkommen unmöglich machte.

Zwischenzeitlich hatte Sumack eine weitere Geheimtür entdeckt. Wir zögerten kurz, entschlossen uns dann aber sie zumindest vorsichtig zu öffnen.

Wieder fanden wir einen Schrein in einem kleinen Raum. Dieser sah anders aus als der letzte. Es war eine aus grünem Stein gehauene Blumenzwiebel, aus der Tentakel in beide Richtungen ragten. Der Name Yamasoth drängte sich in meinen Verstand, der Qlippoth Lord der mehr einer Pflanze ähnelt als einem Dämonenfürsten und sich wie ein Parasit in den Körpern seiner Opfer ausbreitet.

Obwohl der Raum harmlos wirkte, wagten wir nicht ihn zu betreten. Eine weitere Falle auszulösen hätte fatale Folgen für uns haben können.

Auf dem Weg zum Ausgang, fanden wir noch einen weiteren Raum, das private Zimmer einer Person namens Jaska. Die Papiere und Bücher auf dem alten Schreibtisch zerfielen bei der leichtesten Berührung zu staub.

An der Wand hing eine Karte die eindeutig die Gegend um Sandspitze zeigte, in längst vergangener Zeit. Die Karte zeigt die Küstenlinie an anderer Stelle, Distelspitze ist zu sehen, die heutige Grube ist umkreist und mit “Schallast Kohorte” beschriftet. Wir rollten die Karte vorsichtig ein und nahmen sie mit, sicher ist sie ein interessantes Relikt für die Arbeit der Runenwächter, oder für Mutter, wenn sie zurückkehrt.

In einem Wandschrank fand Sumack zwei Schlüssel und zwei fragile Schriftrollen, die wir vorsichtig öffnen und lesen konnten. Sie beschrieben einen Weg vorbei an Fallen, mit Hilfe von Granatperlen. Die Rede war von sieben Perlen deren wertvollste in die Hand von Alasnist gelegt werden sollte.

Noch fehlt uns der Raum, der zu dieser Beschreibung passt, doch sechs Granatperlen haben wir gefunden. Ob die siebte unabdingbar ist?

Wir wollten unser Glück und unsere Kraft nicht überstrapazieren und entschlossen uns zurück zum Tempel zu gehen, um ausgiebig zu Ruhen und einige Informationen zu unseren bisherigen Entdeckungen zu sammeln.

Abstalla versuchte den Schreck zu verbergen den unser Anblick ihm bot, doch ich sah es in seinen Augen. Ohne lange Fragen zu stellen, heilte er die verbliebenen Wunden und teilte uns Zimmer zu in denen wir uns in Ruhe erholen konnten.

Ohne ein Bier um den Tag abzuschließen, hielt es Boingart und meine Schwestern nicht lange in den Zimmern.

Auf dem Weg zur Taverne beauftragten sie noch den Schmied mit der Übertragung der Runen auf ihre Waffen. Karelia wirkte danach nervös und noch aufmerksamer als gewöhnlich. Ihre Hand tastete immer wieder nach dem Schwert, das an ihrer Seite fehlte. Wie Mutter könnte sie sich allein auf ihre Magie verlassen, doch ohne eine Waffe an ihrer Seite fühlt sie sich verloren.

Die Tür des Schleimaals war einladend geöffnet, von drinnen drang uns ein Stimmgewirr und das Zusammenstoßen von Krügen entgegen. Wir fanden schnell einen passenden Tisch, orderten etwas zu Essen und Getränke und begannen die Ereignisse des letzten Tages zusammenzufassen.

Boingart und Karelia hatten gerade den ersten Humpen Bier geleert als sie Sumack immer kritischer beäugten der gemächlich an seinem Weinglas nippte.

Sie begannen ihn etwas aufzuziehen, freundlich zuerst, doch nach einem weiteren alten Mordmaul Bier glichen ihre Späße eher Drohungen. Stoisch blieb Sumack bei seinem Wein und versuchte den Hitzköpfen etwas von Genuss zu erklären, doch die waren längst nicht mehr bereit zuzuhören. Plötzloch war Karelia hinter Sumack, packte ihn lachend an den schmalen Oberarmen, während Boingart einen Bierkrug nahm und versuchte es dem wütend, zappelnden Halbling einzuflößen.

Die Situation erinnerte mich sehr an meinen ersten Schluck Bier, den ich nicht freiwillig genommen hatte und der mir das Gefühl gab daran zu ersticken. Ein Schicksal das ich Sumack gern ersparen wollte.

Ich rief den Wirt, steckte ihm zwei Silbermünzen zu und verkündete das Boingart und Karelia bereit wären sich Norah’s Herausforderung zu stellen.

Das Raunen, das darauf durch den Raum rollte und die Augen die sich auf meine Schwester und ihren Komplizen richteten, genügten um die beiden von Sumack abzubringen.

Sie warfen sich einen kurzen Blick zu, der klar machte das keiner den Rückzug antreten würde. Die ersten “Trinkt” Rufe wurden bereits laut, als Jargie Quinn die Humpen mit dem widerlich schleimigen Gesöff auf dem Tisch abstellte.

Ich bin nicht sicher, ob sie den Inhalt aßen oder tranken, oder ob er ihre Kehlen aus eigenem Antrieb herunterglitt. Für einen kurzen Moment herrschte angespannte Stille, jeder blickte in die beiden Gesichter die angestrengt versuchten nicht an das zu denken, was sie zu sich genommen hatten.

Karelia gelang es nicht, sie endete, begleitet vom Lachen einiger Tavernen Besucher über dem Eimer, während Boingart nach einem lauten Rülpser zu lachen begann und triumphierend die Arme in die Höhe riss.

Alle jubelten ihm zu als Jargie ihm den Beutel mit Silbermünzen überreichte der dem Sieger versprochen war. Boingart gab direkt 5 Silbermünzen an Jargie zurück, als Ansporn für die nächsten Herausforderer, eine Offenbarung von Großzügigkeit und Sportsgeist die mir in ihm bisher verborgen geblieben war.

Während er seine gewonnenen Münzen zählte und ich meiner Schwester den dritten “Jargie’s Reserve” bestellte, um ihren Magen zu beruhigen, fiel mir ein Funkeln in Sumacks Augen auf das ich nicht zu deuten wusste. Vierzig Silbermünzen zählte Boingart, ich hätte schwören können das der Beutel voller ausgesehen hatte.

Der nächste Tag begann für die meisten von uns etwas später.

Sumack war früh aufgebrochen, um noch etwas einzukaufen. Ich nutzte die Zeit allein im Tempel, um mich mit Abstalla über die Schreine in den Gewölben zu unterhalten. Dabei kam ich zu dem Schluss das wir uns den Schrein des Qlippoth Lords noch einmal genauer ansehen sollten, es wäre unvernünftig den Raum ungesichert hinter uns zu lassen.

Als Karelia endlich erwacht war, begleitete ich sie zu dem Runenwächter Brodert Quink. Das große Haus weckte viele Erinnerungen daran, wie ich als Kind darin herumtollte, während unsere Mutter und Brodert, Karelia mit Tassilonischen Lektüren quälten.
Seit unsere Eltern Sandspitze verlassen hatten, war es Karelias erster Besuch bei Brodert. Es ist allein unseren Erkundungen des alten Gewölbes zu verdanken das sie ihn freiwillig besuchte. Vielleicht wird Mutter recht behalten, die immer wiederholte wir würden eines Tages dankbar sein für das Wissen um die alte Zeit.

Er freute sich uns zu sehen und die Abschrift der Runen schien ihn beeindruckt zu haben. Er wird Zeit brauchen mehr darüber sagen zu können und will das Gewölbe besuchen, sobald wir es für sicher genug halten. Karelia versicherte ihm sich darum zu kümmern. Erstaunlicherweise hatte sie sich sogar zu einer Tasse Tee überreden lassen und mehr von ihren Erfahrungen und Vermutungen mit ihm geteilt.

Als wir zum Tempel zurückkamen, erwartete uns ein reich gedeckter Tisch. Abstalla betonte das er uns nur bestens versorgt zurück in das Gewölbe gehen lassen würde. Während dem Essen wurde viel geredet und gelacht. Der Hohepriester schien unsere Gruppe mehr und mehr ins Herz zu schließen. Bevor wir uns verabschiedeten, versicherte er uns, dass wir bei ihm jederzeit um Rat und Unterstützung bitten könnten.

Den letzten Moment Ruhe nutze ich nun für meine Notizen. Sumack testet seinen neu gekauften Spiegel an verschiedenen Ecken im Tempel, ich weiß nicht, wo er gerade ist, aber ich kann nicht leugnen das ich mich beobachtet fühle.

Sobald Boingart und Karelia ihre Waffen in der Rothundschmiede abgeholt haben, werden wir aufbrechen. Ich bin gespannt was dort unten noch auf uns wartet.